Ein blasser lila-blauer Hauch, sich in harmonischen Bewegungen in einen zarten milchig-weißen Nebel verwebend. Atmend zwischen den silbigen Tönen. Wie ein Atemhauch vor klirrend kalter Luft. Wabernde Luftschwaden, in fortlaufender, nicht abreißender Bewegung. So sehe ich diese Musik vor meinem inneren Auge.
Es ist ein stilles, andächtiges Gebet, welches eine solche Schwere und Ernsthaftigkeit mit solch pochender Lebendigkeit und jauchzender Leidenschaft vereint, wie es meines Erachtens nur J. S. Bach vermag. Der Meister, der in seinen musikalischen Andachten das ewige Jenseits in unsere diesseitige Realität zu holen vermag.
Voller Ehrfurcht und Demut würde ich dieses Werk 100 Mal hintereinander spielen und es würde in den Aufnahmen nicht die Perfektion erreichen, in der es in meinem Kopf erklingt - vielleicht ist das das Los derjenigen, die sich nicht ausreichend mit dem Handwerkszeug ihres Instrumentes auseinandergesetzt haben. Oder derjenigen, deren Hände sich nicht ausreichend bezwingen lassen. Ich habe mich entschieden, es bei der ersten Aufnahme nach mehreren Jahren des Nicht-Spielens zu belassen. Ich möchte der Imperfektion Raum geben und gerade dadurch den andächtigen, demütigen Moment würdigen, mit dem mich dieses Meisterwerk heute beschenkt hat. Musik ist schließlich, wie wir heutzutage oft vergessen, eine ephemere Kunst. Wir registrieren und fühlen sie im Moment der Produktion/des Erklingens und in eben jenem verschwindet sie auch unwiederbringlich.