Regelmäßig bin ich schockiert über den misogynen "inneren Harald" in mir (Danke an eine Freundin für den Tipp, diesem Anteil einen Namen zu geben!).

Wenn ich auf dem Bau bin, auf dem Rollgerüst in 3 m Höhe, mit dem Cuttermesser, geduckt, in Schräglage die Trockenbauplatten anfase, um dann mit dem Spachtel eine großzügige Portion Spachtelmasse in die Fuge zu drücken,

wenn ich in der Nacht nach vielen Stunden Arbeit, mit roten Beinen und Füßen mit vor Kleber-Atem schwummrigem Kopf die Klebedichtmasse unter die Dampfbremsfolie geschoben habe, schwitzend vor Hitze,

wenn ich mit Schutzkleidung mit meinem ganzen Körper in pieksender, staubiger Dämmwolle steckte, welche ich vorher mit einem Dämmstoffmesser passgenau zugeschnitten habe,

wenn ich die Gipskartonplatten alleine trage, halte und den Magazinschrauber mit meinem ganzen Körpergewicht gegen die Platte drücke und die Schraube mit einem lauten, satten Röhren die Platte fixiert, usw. usw.

dann passiert etwas Erschreckendes:

es zählt nicht. Es zählt einfach nicht. Es zählt nicht.

Was ich damit meine?

Dass ich mir selbst dabei zu gucke - meine Arme und Beine sehe, die diese Tätigkeit ausüben und das Ergebnis am Ende: das selbst gebaute Haus, in dem ich wohne - aber während ich das sehe, es nicht wahrhabe. Stattdessen höre ich den lauten Nachhall verächtlicher, invalidierender, ignorierender, manchmal auch belächelnder Stimmen von Männern, denen ich begegnet bin, die mir nahe standen, und Frauen, die sich in ihre an-sozialisierten Rollen zurückziehen. Als Frau, und dann auch noch als zierliche Frau von 1,60 mit unter 50 kg Körpergewicht, da kannst du soetwas nicht. Du kannst es einfach nicht. Es ist einfach so. Mag ja sein, dass ich es sehe und dass das Haus wirklich da steht, aber du warst es nicht. Du bist dazu da, schön auszusehen, vielleicht ein liebes Wort zu sagen, zu gefallen, zu schmeicheln. Ja möglicherweise gestehen wir dir zu, dass du gestalten darfst, gestalterische Entscheidungen treffen darfst, mitreden, putzen. Aber mit Werkzeug umgehen, ein technisches Verständnis haben, und sowieso gute funktionierende Dinge selbst erschaffen, das geht nicht!

Nicht anders übrigens, bei beruflichem Erfolg und Unternehmergeist. Das ist Männern vorbehalten - so sagt mein "innerer Harald", der Nachhall von Stimmen, die ich gehört habe.