Ich bin keine Langstrecken- oder Marathonläuferin. Ich bin Mittelstreckenläuferin oder Sprinterin. Also im übertragenen Sinne.

Ich bin dafür gemacht, Höchstleistungen in kürzeren Phasen zu erbringen. Und mich danach ordentlich zu erholen. Maximale Leistung, scharfer Fokus, Gehirn- und Körperkapazität auf eine überschaubare Zeitspanne. Klares Ziel vor Augen, hohe Motivation und los geht‘s. Um dann, im Idealfall nach erreichtem Ergebnis, in die Ruhephase zu sinken. Und zwar wirklich: den Geist spontan umherziehen lassen, spontane Bedürfnisbefriedigung, den spontanen Gefühlen und Körperempfindungen folgen und ihnen nachgehen, gänzlich selbstbestimmt, ohne Einschränkungen von außen.

So viel zum Idealszenario.

Die Realität sieht anders aus: in der Regel können wir nicht vollkommen frei bestimmen, wie lange eine Aufgabe dauert, auf welche Hürden wir stoßen werden, und auch unsere Ruhezeiten können wir nicht beliebig gestalten. Wir tragen Verantwortung und es gibt Umstände, in deren Abhängigkeit wir stehen.

Ob du Marathonläufer oder Sprinttalent bist, ist Teil deines Bauplanes. Den änderst du nicht einfach. Du kannst besser darin werden, der andere zu sein, aber du wirst immer aus deiner eigenen Richtung gekommen sein. Und der Weg, den du hinter dich gebracht haben wirst, der wird beachtlich sein. Vielleicht wirst du die Disziplin beherrschen, nachdem du dein Ziel erreicht hast.

Unsere Kernsanierung mit Neubauanteil ist ein Langstreckenlauf. Ein Ultramarathon. Einen solchen legt man wahrhaftig nicht im Sprint hin. Und das beschreibt meine Struggles auf diesem nunmehr 5 jährigen Weg recht gut. 😬

So bleibt nichts anderes, als sich regelmäßig darin zu üben, die Perspektive zu wechseln: Aus den Sprints und der Sprint-Denke auszusteigen und das Ganze als den Ultramarathon anzuerkennen, der es nunmal ist.

“Teile dir die Kraft ein. (…) Nicht zu viel Nachdenken, einfach laufen. (…) Du kannst eh nicht alles planen, was (unterwegs) passiert. (…) Was tun, wenn laufen nicht mehr drin ist? Dann musst du eben gehen oder wandern. (…) Kein Außenstehender kann die Situation so wirklich gut einschätzen, da bist du in den meisten Fällen auf dich gestellt. (…) Nimm dir (…) Zeit, mache eine ordentliche Pause. (…) Denke immer daran, wie viel Anstrengung es dich gekostet hat, dort hinzukommen, wo du in dem Moment gerade bist.“

Oh ja, diese Tipps für Ultramarathonläufer lassen sich 1:1 auf den Baustellenlangstreckenlauf übertragen 🙏🏻