Vieles ist im Leben nicht steuerbar, nicht planbar, nicht kontrollierbar. Umso kurioser finde ich die Tatsache, wie oft wir uns doch die Welt machen können wie sie uns gefällt. Ungeahnte Möglichkeiten, von denen wir uns nicht zu träumen trauen. Eine exemplarische Ermutigung.

Namen wählen wir nicht, Namen werden uns gegeben. Gleich ob wir uns mit ihnen identifizieren oder nicht. Sie prägen unsere Identität ein Leben lang. Vielleicht aufgrund der Namensherkunft, eines familiären Erbes, vielleicht aufgrund von Erwartungen oder Wünschen und Sehnsüchten derer, die ihn uns gaben.

In die Situation, uns zu überlegen, welchen Namen wir selbst wählen würden, kommen wir normalerweise nicht. Schlicht anlässlich einer Gesetzesänderung, die es Ehepaaren in Deutschland möglich gemacht hat, ihren Ehenamen einmalig zu widerrufen, kam diese fixe Idee bei uns auf. Aus einer fixen Idee wurde ein bürokratischer und rechtlicher Trampelpfad, der in dem Privileg mündete, in der Mitte meines Lebens meinen Namen zu wählen. Meinen Mädchennamen und Vornamen.

Der Vollzug dieses deutlichen Einschnittes in meine Biografie erforderte Mut, war groß, prägend, bedeutsam wie heilsam. Es war die formelle Finalisierung eines langen Prozesses der Emanzipation von meiner Herkunft. "Alles neu machen". So fasste vor mehreren Jahren eine Bekannte meinen Werdegang zusammen. Auf solch eine verwegene Idee, auch das „neu“ zu machen, wäre ich damals nicht im Traum gekommen. Es ist traurig, die inhaltliche Chronologie vergangener Namen zu begraben. Doch gleichzeitig hat mein Inneres schon immer auf diesen Namen gewartet. “Dieser Name hat auf dich gewartet“, sagte mein Partner. Weil er mein Wesen beschreibt, meine Persönlichkeit, meinen Werdegang, meinen Beruf, die Schicksalsschläge die mir widerfahren sind und wie ich mit diesen umgegangen bin, meine Werte und meine Überzeugungen über das Leben.