Anpacken, mit den Händen erschaffen, den Körper für Produktives einsetzen, das fühlt sich für mich befriedigend an. Nicht zuletzt, weil ich das Ergebnis sehen kann (bei psychologischen, zwischenmenschlichen „Produkten“ ist das weniger greifbar) und weil ich meinen Körper dabei in seiner Wirksamkeit spüren kann. Es hat zudem eine besondere Bedeutung für mich. Ich brauche es, mit meinem Körper zu arbeiten. Nur geistige Arbeit zu machen macht meinen Körper hungrig nach körperlicher Wirksamkeit. Es fühlt sich an, als entspräche es meiner Bestimmung, anzupacken und körperlich zu leisten.
Vielleicht kommt das mitunter daher, dass meine DNA, meine Familienhistorie schier nichts „Akademisches“ hat. Meine Mutter hatte keinen Schulabschluss und keinen Beruf, mein Vater ging einem technischen Beruf nach, der seinem Talent entsprang. Meine Großmütter hatten keine Schulen besucht und verbrachten ihr ganzes Leben wortwörtlich in Küchen und Schlafzimmern. Meine Großväter waren Wagener und Hufschmied. Ersterer war seit Kriegsende sein ganzes Leben lang selbstversorgend. Zusammen mit seiner Frau zog er 6 Kinder groß. Ich habe auf dem Hof dieser Großeltern mit Tieren und Pflanzen, als Kleinkind und in den meisten Schulferien gelebt.
Soweit der Stammbaum zurückverfolgt werden kann, bin ich die Erste mütterlicher und väterlicherseits, die ein Abitur hat und damit auch die Erste, die studiert hat. Das habe ich erst als Erwachsene registriert. Vielleicht, weil ich auf dieser Laufbahn weder finanziell noch inhaltlich oder emotional unterstützt wurde sondern vielmehr wie eine „Verräterin“ oder ein Alien schräg und von oben herab beäugt wurde. Es wurden Gespräche mit mir geführt, die darauf abzielten, mir meine beruflichen Wünsche, die ich als Grundschülerin (Archäologin) und als Gymnasiastin (Dirigentin) hegte, „auszutreiben“. Wenngleich ich mir heute denken kann, dass meine Mutter - nicht zuletzt aufgrund des Auftrages ihres Vaters - stolz wäre, wenn sie wüsste, dass sie Kinder mit Abitur (ganz zu schweigen von Studienabschlüssen) hat. Dadurch, dass meine Eltern mich in einer Großstadt bekamen, hatte ich das Privileg, den Zugang zu Stadtbibliotheken, Schulen, Einrichtungen und ganz anders sozialisierten Leben zu haben. Ich liebe die intellektuelle Betätigung. Sie erfüllt meinen Geist, meine musischen und kognitiven Bedürfnisse. Sie ist mein Beruf. (Zumindest dem Ursprung nach, denn aktuell verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit Psychotherapie, was tatsächlich auch körperliche Arbeit ist.) Doch meine Wurzeln und mein Körper wollen ganz deutlich, dass ich ihnen ihren Tribut zolle ☺️